interview und review in der jungen welt: „die songs sind grandios und einzigartig.“

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Christof Meueler hat uns interviewt!  https://www.jungewelt.de/2016/10-28/046.php

Und Rafik Will hat eine Review geschrieben:

https://www.jungewelt.de/2016/10-28/047.php

Wir haben sie hier nochmal vollständig reinkopiert.

Freitag, 28. Oktober 2016, Nr. 252

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FEUILLETON

Ein Meilenstein

„Das diesen Sommer von den Musikerinnen, Journalistinnen und Schriftstellerinnen Sandra und Kerstin Grether gegründete Label Bohemian Strawberry, das sich vorrangig um weibliche Künstler kümmern will, bringt das erste Album heraus. Es ist das zweite von Doctorella, der Band der Grether-Sisters, und heißt »Ich will alles von dir wissen«. Das Debüt »Drogen und Psychologen« war 2012 auf Zickzack erschienen. In der neuen Besetzung sind neben den singenden Schwestern an Gitarre und Keyboards der Gitarrist Sascha Rohrberg sowie die Brüder Flavio (Drums) und Fabrizio Steinbach (Bass), die ebenso wie die Grethers Zwillinge sind, mit an Bord.

Den Eröffnungssong bildet »Ich brauche ein Genie«, der schon als Youtube-Hit die Rundemachte. Nach diesem Chanson mit Drive, in dem potentielleZweierbeziehungen problema tisiert werden (mit dem Slogan »Upgrade my heart!«), fragen Doctorella im folgenden »Gehst du heut mit mir ins Kino?«. In einem angenehm prasselnden warmen Regen aus Gitarren und Synthesizern entwickeln sie ein hybrides Nippon- Country-Feeling und empfehlen ihrer tanzen den Zuhörerschaft die Entkomplizierung von Dates. Außerdem raten sie von Kampfhunden und Liebesliedern mit »tausend wilden Geigen« als Geschenken ab.Mit ebenso scharfsinnigem wie düsteren Humor heißt es in »Nur die Gefühle sind echt«:»Wir beide wär’n sogar als Spielfilm schlecht, weil nicht plausibel genug« – macht aber nix, denn es gilt »die Liebe ist ein Song, den keiner singt, sie ist nicht gut gemacht, nur gutgemeint«. Mit hinreißendem Boheme-Flair punktet das Cou plet »Nachtcafé«. Man könnte es in die Rubrik Kneipenhymne einordnen. Klingt gemütlich, aber Vorsicht, die Musik ist überwältigend und zieht einem glatt den Barhocker unterm Hintern weg. Hammermäßige Wirkung haben auch sanfte Stücke wie »Es war nur eine lange Berührung«, bei dem man im Refrain Jacqueline Blouin, ebenfalls auf Bohemian Strawberry, hört.

Andere Titel sind direkt als»Kick-ass« zu bezeichnen, man wird von ihnen mit dem Allerwertesten auf die Tanzfläche befördert. Exemplarisch dafür steht etwa »Du bist immer noch mein Idol«, der Refrain ist wie Rodeo auf einem wilden Stier in einer vollbesetzten anglikanischen Kirche und hat einen unbedingten Mitsingsog. Auf dem Album ist übrigens Sandra Grether, auf der Radiosingle ist Kerstin Grether als Sängerin zu hören, beide Versionen sind unersetzlich. Die Songs sind grandios und einzigartig. Wann hat man das letzte Mal Musik gehört, die einen von Innen wärmt? Dafür sorgen auch die ausgetüfteltenArrangements von orchestraler Pracht: Ob Akkordeon oder Bläser, Geige oder Piano, die Instrumente sind immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Diese Platte ist ein Meilenstein.“

Rafik Will